16./17.11.2018, Köln, 20 Jahre Schandmaul, Lanxess Arena und E-Werk

16./17.11.2018, Köln, 20 Jahre Schandmaul, Lanxess Arena und E-Werk

Guten Morgen liebes Tagebuch!

Es ist soweit. Seit 2 Jahren arbeiten wir an den Vorbereitungen zu unserem großen runden Geburtstag. Jetzt steht die „Geburtstagswoche“ an. Alle beginnt Montag Morgen. Wir treffen uns am Flughafen in München und fliegen zum weltberühmten Flughafen „Münster/Osnabrück“, dann bei unserer Technikfirma TTL in Ochtrup ist alles für 2 intensive Probetage vorbereitet. Die Bühne in realer Größe wurde aufgebaut und wir starten am frühen Nachmittag mit den ersten Songs. Es läuft gut und so haben wir uns abends ein anständiges Essen beim Italiener neben dem Hotel verdient. Dann fallen wir alle in die Betten, der Dienstag wird lang… Start ist gegen 10 Uhr am Hotel. Wir spielen alle Songs, die wir gestern nicht gespielt haben und noch einen kompletten Durchlauf. Einzelne Sound-, Licht- und Positionsprobleme werden gelöst und Regieanweisungen besprochen. Das muss sich jetzt nur jeder merken…

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Abends kommt dann als Highlight der selbstgebaute Foodtruck von zwei TTL-Mitarbeitern und es gibt lecker selbstgezüchtetes Highland-Rind, Pommes und so weiter… Dann geht es wieder ins Hotel. Morgen, Mittwoch, fahren wir mit Mietwägen rüber nach Köln. Gegen 15 Uhr sind wir am Hotel Maritim und checken in unsere Zimmer ein. Abends gehen wir alle gemeinsam noch essen und versuchen mit dem Bier in Reagenzgläsern klar zu kommen. Zum Glück gibt es die Kränze, die sind durchaus sinnvoll. Auf exzessives Feiern wird allerdings verzichtet, wir haben die nächsten Tage noch einiges vor der Brust und so geht es für alle zeitnah ins Hotel.

Der Donnerstag beginnt für uns nachmittags in der Lanxess Arena. Zum ersten Mal sehen wir die Bühne in echt in dieser verdammt großen Halle, in der es noch bitterkalt ist. Wir machen einen konzentrierten Soundcheck, dann ist Durchlaufprobe. Im Anschluss gibt’s Abendessen und dann haben wir noch Probe mit Pyrotechnik und Kabuki, also dem Vorhang, der zum Showstart per Magnetauslöser zu Boden fällt. Noch kurz ein paar Knacker angespielt, dann ist es schon reichlich spät und es geht wieder ins Hotel. Der große Tag steht an…

Ich schlafe reichlich bescheiden und als morgens der Wecker geht fühle ich mich wie gerädert. Na prima. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es zeitnah in die Halle. Heute stehe noch die Proben mit unseren Gästen an. Es geht los mit den Kollegen von Saltatio Mortis, die sind bereits gestern angereist. Es werden ein paar Sachen ausprobiert, aber alles läuft super. Alle sind top vorbereitet und so geht es weiter mit den Fiddlers, Malte, Holly und schließlich den Kollegen von Russkaja. Auch Tommy Krappweis gibt sich noch die Ehre zur Probe, dann ist es 15 Uhr und Zeit, für etwas Pause. Ich brauche ein bisschen Ruhe und beschließe, noch einmal ins Hotel zu fahren. Um 18 Uhr bin ich dann zurück und ab jetzt tickt die Uhr unweigerlich auf den großen Abend hin. Den Einlass beobachte ich von einer der oberen Logen, in der meine Familie und Freunde ihre Plätze haben. Beeindruckend! Gänsehautfeeling. Das wir, die wir vor 20 Jahren als Kasperlesband angefangen haben, diese große Halle füllen, wer hätte das damals gedacht. Ein kleiner Anflug von Melancholie macht sich breit bei mir. Was waren das für schöne, aber auch schwierige Jahre. Schwierig vor allem die letzten beiden. Dieses Konzert haben wir noch gemeinsam mit unserem Freund Andreas Kestenus angefangen zu planen und zu organisieren, der vor 2 Jahren urplötzlich gestorben ist. Ich denke an ihn und ein dicker Kloß sitzt mir im Hals.
So haben wir alle das Gefühl, dass heute ein Kapitel endet, aber zeitgleich auch ein neues beginnt! Unser neues Album „Artus“ steht in den Startlöchern und war „Leuchtfeuer“ überschattet von Tod und Krankheit, so sind wir voller Energie und Vorfreude auf alles, was jetzt kommt. Und das hebt die Bedeutung dieses Konzertes für uns auf eine andere Ebene. Schwer zu beschreiben, aber hoffentlich trotzdem verständlich…

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Fiddlers Green eröffnen den Abend und ich stehe neben der Bühne und genieße einen Großteil ihres Auftritts. Sehr liebe und geschätzte Kollegen und ihre Liveauftritte sind immer eine Macht.

Jetzt heißt es aber: umziehen! Denn in knapp einer Stunde stehen wir hier oben und spielen. Wir sammeln uns alle hinter der Bühne, stoßen auf 20 Jahre an, ritualisieren wie vor jedem Konzert und dann stehen wir auf unseren Positionen hinter dem riesigen Vorhang und das Intro startet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr und als der Vorhang fällt fliegt der Deckel von der Hölle. Was für ein Anblick bietet sich da! Zwar sind mir die kleineren Konzerte sogar lieber, aber das hier empfinde ich als einen riesigen Schulterklopfer von unseren Fans. Wer hätte so etwas vor 20 Jahren für möglich gehalten?! Ich brauche vor lauter Emotionen ein wenig, um in die Show zu kommen, aber nach und nach kann ich mich fallen lassen und genieße den Abend in vollen Zügen. Was für eine Stimmung, was für eine Kulisse! Tolle Kollegen, die uns helfen, die Show umzusetzen und Thomas zelebriert einen unvergesslichen Abend. Beim „Feuertanz“ brennen die Feuerschalen auf der Bühne, beim Anblick schneit es Konfetti. Und als am Ende alle Kollegen auf die Bühne kommen und mit uns und den Fans „auf Euch“ singen, da muss ich schwer mit den Tränen ringen.

Aber auch das schönste Konzert ist mal vorbei und wir legen uns trocken und schauen anschließend zur Party im 5. Stock. Irgendwann ist der Akku leer und ein Shuttle bringt mich samt Familie ins Hotel. Ich lasse diesen Tag ausklingen, indem ich mit meinem Hund eine Runde am Rhein drehe. Allein. Den Emotionen nachspürend. Und ich freue mich auf morgen, wenn wir im E-Werk noch einmal völlig ausgelassen und ohne jeden Druck feiern werden.

Aber jetzt muss ich erstmal schlafen!

Der Samstag beginnt bei einem guten Frühstück, dann lege ich mich wieder hin. Gegen 14 Uhr gehe ich eine Runde mit dem Hund, dann fährt auch schon der Shuttle zum E-Werk. Hier hat Stefan eine etwas spezielle Bühnenklamotte für uns vorbereitet. Krümelmonsteralarm!

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Soundcheck dauert heute nicht lang und die Setliste beinhaltet hauptsächlich Songs, die wir gestern nicht gespielt haben.
Also Vorband tritt Ganaim auf, die Band, in der unsere Saskia ebenfalls geigt. Seit heute darf ich offiziell „unsere“ sagen, denn beim Konzert gibt Thomas bekanntz, was viele schon ahnten: Wir sind wieder komplett! Saskia steigt fest bei uns ein und das freut und riesig! Wie oben schon erwähnt:  jetzt wird ein neues Kapitel geschrieben.
Und so spielen wir ein Konzert, das sich anfühlt wie ein Jungbrunnen. Was für ein Spaß! Und hinterher stehen wir stundenlang bei den besten Fans der Welt bis schließlich der letzte Shuttle zurück zum Hotel fährt.

Ich bin immer noch überwältigt von den ganzen Eindrücken. Tausend Dank an unsere sensationelle Crew, unser Management, alle Menschen, die immer im Dunkeln arbeiten, alle Sanis, Polizisten, Securities, Feuerwehrler, Caterer, Reinigungspersonal und natürlich ein tiefer Kniefall vor euch, unseren Fans.
Danke für 20 Jahre! Danke, dass wir das erleben dürfen!

Gute Nacht!

Hipp Höpp

Ducky